Bruckwald | Weißensee/Ö
Der Entwurf ist von drei Merkmalen inspiriert. Zum einen von den hier üblichen Längsschlägen in den bestehenden Forstwäldern, die einen weithin sichtbaren Raster über die Berge legen. Zum andern von den historischen Bruckwäldern, welche große Waldstücke beschreiben, die eigens zur Erhaltung und Sanierung der einstigen Holzbrücke genutzt wurden.
Die Skizze zeigt entlang zweier Schneisen gefällte Holzstämme, die über dem See aufeinander Treffen und in dieser Bewegung innehaltend eine Brücke formen.
Der Eingriff durch den Menschen in die Natur und die topographische Ausformung der Berge, durch die die Baumstämme unweigerlich den Weg ins Tal finden müssen, machen diese kraftvolle Geste möglich und im Zusammenhang fassbar.
Der Entwurf lebt von einem kraftvollen Drang nach Begegnung - nach Zusammenkommen und beschreibt in seiner Dynamik das Wechselspiel von Abbau und Aufbau, sowie von Kultur und Natur.


Landschaftsanalyse ESSENZ

Die Brücke wird zum einen als verbindendes Element erlebt und gelebt - sowohl optisch als auch haptisch - zum anderen als trennendes Objekt, vor allem gegenüber dem See, wahrgenommen.
Durch ein ständiges Wechselspiel an Farben, Licht und Schatten, das im See seine Vollendung findet, verändert sich auch der Anblick der Brücke von Verschwinden bis zu Hervorleuchten.
Über die zeitweise Reflexion im See wird eine unendliche Verbindung zwischen Natur- und Kulturraum hergestellt.
In Beziehung zur vorliegenden topographischen, naturräumlichen und kulturellen Situation zeigt sich die Lage des Übergangs harmonisch eingebettet. Die Bergrücken gehen in einer Linie in die Brücke über, die sich annähernden Uferlippen finden in ihr zueinander.
Im Kontrast zeichnen sich die Linie der Brücke noch zarter, die Berge und der See noch mächtiger in der Landschaft ab. Gleichzeitig sensibilisiert dieser Fokus für die Details der Umgebung.
Als Klammer oder Spange verankert sich die Brücke am Ufer und schwebt übers Wasser.
Sie teilt die Landschaft in 4 Räume: den kleinen Seeteil, den großen Seeteil, unter der Brücke und auf der Brücke.

Durch die zentrale Lage im Siedlungsraum vertritt sie das Symbol einer Bühne, die Positionen zum Beobachten und zum Beobachtet werden innehat. In ihrer, noch nicht ausgereiften, Funktion als Aufenthaltsraum fördert sie Zusammentreffen und Kommunikation.
Im Vordergrund steht jedoch der Übergangsraum, der vom Wasser aus als Tor eine stark anziehende und gleichzeitig abstoßende Wirkung erzielt.
Die Brücke dient der Orientierung in der Landschaft (Landmark) und fordert von ihren vielfältigen Nutzern Entscheidungen ab. Sie löst Unsicherheit aus - die Überwindung, eine Grenze zu überschreiten ans unbekannte Ufer aufzubrechen.
Begleitet wird der Aufenthalt bzw. Übergang von Fernweh, Melancholie und Euphorie.



Studienarbeit an der Universität für Bodenkultur in Wien - Landschaftsanalyse und Entwurf


in Zusammenarbeit mit Sarah Baumgartner, Günter Sitter und Daniel Wenk
unter der Leitung von Prof. Erwin Frohmann und Tutorin Angelika Mangold